Wow...schaue ich ein Jahr zurück, dann habe ich gerade meinen ersten Monat im Libanon hinter mir. Wenn ich daran denke, wird mir irgendwie ganz komisch. Ich kann noch immer kaum glauben, dass mein Erlebnis "Libanon" erst mal vorbei ist. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich kein Bild in der Hand halte und wehmütig zurück denke. Ich ertappe mich auch ständig dabei, den Libanon mit Europa zu vergleichen. Ich muss mich dann immer selber dran erinnern, dass solche Vergleiche mich entweder nicht weiterbringen oder manchmal auch total unangebracht sind, weil jedes Land eine andere Geschichte, Bevölkerung und Kultur hat. Letztendlich hat wohl jedes Land seine Vor- und Nachteile und ein kluger Freund hat mal zu mir gesagt: "Das Problem am Reisen ist, dass man nie wieder richtig zu Hause ankommt, wenn man einmal damit angefangen hat. Denn überall wo man einmal war, lässt man ein Stück von seinem Herz zurück." Und er hatte so Recht. Im Libanon habe ich einiges an Deutschland vermisst. In Deutschland werde ich jetzt immer einige Dinge aus dem Libanon vermissen. Aber wenn wir schon beim Reisen sind... ich hatte ja versprochen, euch noch zu sagen, was ich nach dem Freiwilligendienst, also quasi jetzt, mache. Den Studienplatz in Dresden habe ich leider nicht bekommen. Aber der war mir so wichtig, dass ich mich noch einmal darum bewerben möchte und erstmal nix anderes studiere. Und als Alternative hat sich durch einen ziemlich glücklichen Zufall ein Praktikumsplatz in Frankreich ergeben. Vielleicht kennt ihr HOLTEC, die Firma, die Sägeanlagen herstellt. Und über diese Firma leiste ich das Praktikum in einer Zweigstelle in Vitry-la-Francois, in der nordfranzösischen Region Champagne, und zwar ein Jahr lang. Am 1. Oktober ist mein erster Arbeitstag und diesen Blogeintrag schreibe ich schon von meiner ersten eigenen, französischen Wohnung aus. Mutti und Vati sind vor ein paar Tagen mit mir nach Frankreich gefahren und haben mir geholfen, die Wohnung einzurichten und alles Nötige zu organisieren. Allein hätte ich das alles gar nicht geschafft, das war echt nicht so einfach! Natürlich haben wir auch schon die Gegend erkundet. Mit dem Fahrrad sind wir um den größten französischen Stausee gefahren, zu Fuß sind wir über Weinberge spaziert und haben uns zeigen lassen, wie Champagner hergestellt wird. Verkostet haben wir natürlich auch ein bisschen ;)
Also, wer von euch in den nächsten 12 Monaten seinen Urlaub in der Champagne verbringen möchte, ist herzlich willkommen!
Das war dann jetzt aber wirklich mein allerletzter Blogeintrag! Über mein Jahr in Frankreich werde ich nicht schreiben, aber wer trotzdem wissen möchte, was ich so mache oder einfach Lust hat mir zu schreiben, hier ist meine Mailadresse: laura.kunzendorf@web.de. Ich freu mich immer über Post!
Tschüss! Ma'a-ssalame! Au revoir!
Meine Erlebnisse im Libanon
Am 3. September 2012 wird es spannend für mich. Denn dann beginnt mein Freiwilligendienst an der FISTA-Riverside School im Libanon. Auf diesem Blog könnt ihr meine Erlebnisse im Libanon mitverfolgen und bleibt immer auf dem neusten Stand! Vielen Dank für Euer Interesse und viel Spaß beim Lesen! :)
Samstag, 28. September 2013
Mittwoch, 31. Juli 2013
Die letzten Bilder...
Hier noch die versprochenen Bilder der letzten Wochen :)
Beim Fastenbrechen am Freitag hatte ich nochmal einen richtig schönen Abend mit den Leuten, die mich das ganze Jahr über begleitet und in der Residence mit mir zusammen gewohnt und gearbeitet haben.
Am Ende des Jahres haben Abed und ich noch einmal kräftig im Workshop gearbeitet und viele schöne Ketten fertig bekommen.
Die schönsten Momente aus dem Sommercamp:


Beim Fastenbrechen am Freitag hatte ich nochmal einen richtig schönen Abend mit den Leuten, die mich das ganze Jahr über begleitet und in der Residence mit mir zusammen gewohnt und gearbeitet haben.
Yousuf wird mir so doll fehlen! Ich kann mir gar nicht vorstellen, ihn tagsüber nicht mehr an meiner Seit zu haben.
Am letzten Schultag durften sich die Schüler in alle möglichen Kreaturen verwandeln und hatten jede Menge Spaß dabei ;)
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Die schönsten Momente aus dem Sommercamp:

Na, wer will Mohamed denn hier an den Kragen? ;)
& was kommt dann?
Aus. Ende. Vorbei. Das war also mein Jahr im Libanon, ich kann es kaum glauben aber ich bin wieder in Deutschland. Gestern Abend haben mich Mutti und Vati vom Flughafen abgeholt und als tolle Überraschung noch Jana, Schmidts und viele Luftballons mitgebracht. Vielen Dank für diesen schönen und herzlichen Empfang!
Mein letztes Wochenende war ein richtig toller Abschluss meines Auslandsjahres. Am Freitagabend wurden sämtlich Angestellte der Schule sowie Eltern und Freunde der Direktorin zum großen "Iftar" eingeladen. Das Iftar ist das tägliche Fastenbrechen am Abend jedes Ramadantages und am Freitag haben wir daraus eine richtig schöne, große Feier gemacht und wir Freiwilligen hatten Gelegenheit, uns von allen zu verabschieden. Den Samstag danach hat Siham extra freibekommen, um mit mir noch einen letzten Tag in Beirut zu verbringen. Wir waren an all unseren Lieblingsplätzen, sind am Meer entlang spaziert und haben auf dem Markt Souvenirs gekauft. Den Tag haben wir dann auf der Terrasse unter dem Sternenhimmel ausklingen lassen, und haben uns die schönsten Momente des Jahres nochmal in Erinnerung gerufen. Den Sonntag und Montag habe ich hauptsächlich mit den Schülern und Kofferpacken verbracht. Die ganze Zeit über war ich hin- und her gerissen zwischen meiner Vorfreude auf zu Hause, meine Familie und meine Freunde und meiner Traurigkeit darüber, mein neu gewonnenes zu Hause verlassen zu müssen. Als ich mich dann am Dienstag endgültig verabschieden musste, kamen einige Tränen. Aber spätestens als ich von meinen Eltern, Schmidts und Jana so lieb am Flughafen begrüßt wurde, kam die Freude zurück :)
Jetzt bin ich also wieder da und die ganze Zeit höre ich in Dauerschleife die Zeilen "Und was kommt dann? Was ist der Titel vom nächsten Kapitel?" von den Sportfreunden Stiller in meinem Ohr. Und die Frage stell ich mir tatsächlich. Was kommt jetzt? Schon seit einer ganzen Weile begeistere ich mich für den Studiengang Internationale Beziehungen in Dresden und habe mich da natürlich auch dort beworben. Aber der Studiengang ist so beliebt, dass wohl nur 5% aller Bewerber angenommen werden. Am Freitag muss ich deshalb zu einem Auswahlgespräch und einem Französisch- und Englischtest. Dieses Gespräch ist wirklich wichtig für mich und auch der Grund dafür, dass ich jetzt schon zurückgekommen bin und nicht bis Ende August im Libanon geblieben bin. Drückt mir die Daumen, dass es klappt, ja? Falls es in Dresden nichts wird, dann weiß ich ehrlich gesagt auch noch nicht, was ich mache. Ich habe zwar viele interessante Pläne B, aber sooo sehr wie das Studienfach Internationale Beziehungen begeistern die mich alle nicht. Sobald ich Bescheid weiß, wie ich das nächste Jahr verbringe, lasse ich es Euch aber wissen.
Zum Abschluss würde ich ja gern noch ein paar abschließende Worte über mein Auslandsjahr schreiben, aber wie soll man auch ein ganzes Jahr in ein paar kurzen Sätzen zusammenfassen? Ich glaube, wenn ihr ab und zu in meinen Blog geschaut habt, dann habt ihr ganz gut miterlebt, wie es mir ergangen ist. Ich bin auf jeden Fall froh und unendlich dankabr, dass ich die Chance hatte, so ein aufregendes Jahr zu erleben und würde es sofort wieder machen!
Gerade fühle ich mich noch ein bisschen so, als wäre nur mein Körper hier in Deutschland angekommen und mein Kopf und Herz würden noch im Libanon sein. Aber ich werd' mich schon wieder einleben ;)
Am Ende geht noch ein großes Dankeschön an alle, die mich dieses Jahr so toll unterstützt haben!
Mein letztes Wochenende war ein richtig toller Abschluss meines Auslandsjahres. Am Freitagabend wurden sämtlich Angestellte der Schule sowie Eltern und Freunde der Direktorin zum großen "Iftar" eingeladen. Das Iftar ist das tägliche Fastenbrechen am Abend jedes Ramadantages und am Freitag haben wir daraus eine richtig schöne, große Feier gemacht und wir Freiwilligen hatten Gelegenheit, uns von allen zu verabschieden. Den Samstag danach hat Siham extra freibekommen, um mit mir noch einen letzten Tag in Beirut zu verbringen. Wir waren an all unseren Lieblingsplätzen, sind am Meer entlang spaziert und haben auf dem Markt Souvenirs gekauft. Den Tag haben wir dann auf der Terrasse unter dem Sternenhimmel ausklingen lassen, und haben uns die schönsten Momente des Jahres nochmal in Erinnerung gerufen. Den Sonntag und Montag habe ich hauptsächlich mit den Schülern und Kofferpacken verbracht. Die ganze Zeit über war ich hin- und her gerissen zwischen meiner Vorfreude auf zu Hause, meine Familie und meine Freunde und meiner Traurigkeit darüber, mein neu gewonnenes zu Hause verlassen zu müssen. Als ich mich dann am Dienstag endgültig verabschieden musste, kamen einige Tränen. Aber spätestens als ich von meinen Eltern, Schmidts und Jana so lieb am Flughafen begrüßt wurde, kam die Freude zurück :)
Jetzt bin ich also wieder da und die ganze Zeit höre ich in Dauerschleife die Zeilen "Und was kommt dann? Was ist der Titel vom nächsten Kapitel?" von den Sportfreunden Stiller in meinem Ohr. Und die Frage stell ich mir tatsächlich. Was kommt jetzt? Schon seit einer ganzen Weile begeistere ich mich für den Studiengang Internationale Beziehungen in Dresden und habe mich da natürlich auch dort beworben. Aber der Studiengang ist so beliebt, dass wohl nur 5% aller Bewerber angenommen werden. Am Freitag muss ich deshalb zu einem Auswahlgespräch und einem Französisch- und Englischtest. Dieses Gespräch ist wirklich wichtig für mich und auch der Grund dafür, dass ich jetzt schon zurückgekommen bin und nicht bis Ende August im Libanon geblieben bin. Drückt mir die Daumen, dass es klappt, ja? Falls es in Dresden nichts wird, dann weiß ich ehrlich gesagt auch noch nicht, was ich mache. Ich habe zwar viele interessante Pläne B, aber sooo sehr wie das Studienfach Internationale Beziehungen begeistern die mich alle nicht. Sobald ich Bescheid weiß, wie ich das nächste Jahr verbringe, lasse ich es Euch aber wissen.
Zum Abschluss würde ich ja gern noch ein paar abschließende Worte über mein Auslandsjahr schreiben, aber wie soll man auch ein ganzes Jahr in ein paar kurzen Sätzen zusammenfassen? Ich glaube, wenn ihr ab und zu in meinen Blog geschaut habt, dann habt ihr ganz gut miterlebt, wie es mir ergangen ist. Ich bin auf jeden Fall froh und unendlich dankabr, dass ich die Chance hatte, so ein aufregendes Jahr zu erleben und würde es sofort wieder machen!
Gerade fühle ich mich noch ein bisschen so, als wäre nur mein Körper hier in Deutschland angekommen und mein Kopf und Herz würden noch im Libanon sein. Aber ich werd' mich schon wieder einleben ;)
Am Ende geht noch ein großes Dankeschön an alle, die mich dieses Jahr so toll unterstützt haben!
Dienstag, 16. Juli 2013
Der Schmetterling
„Essen, essen und noch mehr
essen. Das machen Raupen den lieben, langen Tag. Bis sie irgendwann dick und
kräftig genug sind und sich verpuppen. Dann nehmen sie während des ganzen
Puppenstadiums überhaupt keine Nahrung mehr zu sich, sie „fasten“ praktisch. Manchmal
dauert das nur eine Woche, manchmal aber auch bis zu vier. Und am Ende, wenn
die Phase des Essens und die der Verpuppung vorbei sind, schlüpft ein schöner,
eleganter Schmetterling aus dem Kokon und breitet langsam seine Flügel aus, um
davon zu fliegen.“
Diese Worte
folgten auf meine Frage „Und warum genau fastet ihr Muslime jetzt eigentlich, mal abgesehen davon, dass der Koran es vorschreibt?“,
die ich einem guten Kollegen vor einer Weile gestellt habe. Und sie haben mich
ganz schön zum Nachdenken angeregt. Am letzten Dienstag hat hier nämlich der Ramadan,
der Fastenmonat der Muslime, begonnen. Das heißt, dass 30 Tage lang Muslime in
aller Welt von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang weder essen, noch trinken, noch
rauchen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr alle schon davon gehört habt.
Auf jeden Fall habe ich mich dazu
entschlossen, mitzufasten. Erst wollte ich ja eigentlich nur so ein, zwei Tage
lang probieren, ob ich genug Willen und Disziplin habe, um es durchzuhalten.
Mittlerweile ist schon eine Woche daraus geworden und ich möchte
unbedingt weiter machen. Am ersten Fastentag habe ich noch mit ungestilltem
Appetit und Durst gekämpft, aber beides war schon am zweiten Tag überhaupt kein
Problem mehr. Es ist nämlich gar nicht so schwer, wie ich es mir vorgestellt
habe. Das Einzige, was wirklich nervt, ist, dass ich langsam merke, wie ich
meinen Elan und meine Energie verliere. Ich brauche mehr Schlaf als vorher und habe
ständig das Gefühl, mich kurz ausruhen zu müssen.
Im Libanon beginnt das Fasten
jeden Tag so um ca. 4 Uhr morgens. Viele stehen deshalb um 3 Uhr nachts auf, um
noch schnell etwas Kleines zu essen, zu trinken oder zu beten. Bei mir gewinnt
jede Nacht auf’s Neue die Müdigkeit und ich trinke nur schnell ein Glas Wasser,
was immer griffbereit neben dem Bett steht. Abends um ca. 20.15 wird dann das Fasten gebrochen,
traditionell mit einer Dattel. Das ist der mit Abstand tollste Moment des
Tages. Schon früh morgens wenn ich aufstehe, freue ich mich darauf. Wenn wir
so kurz nach 20 Uhr mit unserer Arbeit fertig sind, beginnt in der Küche und auf der
Terrasse schon ein reges Treiben. Alle helfen mit, das Essen in das gute Geschirr,
was sonst nur zu besonderen Anlässen genutzt wird, einzufüllen; den Tisch zu
decken; Saft einzufüllen und alles schön herzurichten. Aber sobald das erste
„Allahuakbar“ („Gott ist groß“) ertönt, welches das Abendgebet einläutet, wird
es langsam ruhig. Jeder dankt im Stillen für das gegebene Essen und bricht das
Fasten mit einer Dattel. Danach gibt es immer einen Teller Suppe, bevor wir uns
über leckere, typisch libanesische Speisen hermachen. Normalerweise reicht mir
schon ein Teller und ich bin pappe satt. Außerdem muss immer ein bisschen
Platz für das Obst, das Dessert und meinen geliebten arabischen Kaffee im Magen bleiben, welche am späten Abend noch folgen. Bevor es dann irgendwann nach einem Abend voller guter Gespräche und leckerem Essens ins Bett geht, stehen erst alle nochmal in der Küche vor dem
Wasserspender Schlange. Schließlich ist es wichtig, aufzupassen, genügend zu
trinken, sonst kann man sich am nächsten Fastentag auf Kopfschmerzen
einstellen.
Ich kann euch sagen, ich liebe
diese Abende eines jeden Fastentages. Es ist so schön, mit allen zusammen
draußen zu sitzen und gemeinsam das Fasten zu brechen. Und jeden Abend denke ich, dass mir eine Mahlzeit nie besser geschmeckt hat als in diesem Moment. Das Fasten
lehrt mich nicht in erster Linie zu verzichten, sondern zu genießen und über
die Erfahrung bin ich wirklich froh. Nebenbei lerne ich auch noch, ein bisschen
libanesisch zu kochen. Wir bereiten das Essen immer schon in unserer
Mittagspause vor und zaubern dabei die leckersten Salate, Fleischgerichte und
Desserts. Ich versuche, mir die Rezepte gut einzuprägen, damit ich meine Freunde und Familie in Deutschland dann damit bekochen kann :)
Ich würde
so gern noch Bilder hochladen, in letzter Zeit habe ich so viele Schöne
gemacht. Aber leider ist unser Internet viel zu langsam, die letzte Woche hat
es gar nicht funktioniert. Ihr müsst also noch 3 Wochen warten, dann lade ich
die Bilder von Deutschland aus hoch.
Donnerstag, 27. Juni 2013
Das Ende meiner Schulzeit!
Das letzte Schuljahr meines Lebens ist zu Ende.
12 Jahre lang habe ich Schule mit dem Blickwinkel einer Schülerin betrachtet. Nun
habe ich auch 1 Jahr lang erlebt, wie es ist, wenn man vor der Tafel steht,
anstatt mitten unter den Schülern hinter der Schulbank zu sitzen. Beide
Erfahrungen haben mich manchmal gestresst und genervt, aber beide haben mir
auch genau so viel Freude bereitet und mich so unendlich viel gelehrt. Ich
glaube, würde ich nochmal in die Schule zurückgehen, ich würde weniger über von
mir ungeliebte Lehrer schimpfen und die umso mehr schätzen, die trotz aufgeregter,
quatschender oder langsamer Schüler ruhig bleiben und mit viel Geduld auf diese
eingehen. Das ist nämlich gar nicht so einfach. Mutti erinnert sich mit Sicherheit
noch daran, wie oft sie mich früher gebeten hat, doch ein bisschen ruhiger und
geduldiger zu werden. Wenn ich zurückkomme, wird sie mir das sicher nicht mehr
so oft sagen müssen, denn das habe ich hier gelernt.
Anfangs fiel es mir schwer, zu begreifen, dass
einige meiner Schüler nicht mit dem Lernstoff mithalten konnten und trotz
regelmäßiger Wiederholung und Übung das Gelernte eben einfach nicht in den
richtigen Zusammenhang einordnen und im Gehirn abspeichern konnten.
Mittlerweile habe ich aber etwas begriffen. Jeder Mensch hat eine andere Wahrnehmung.
Und besonders die Schüler an FiSTA erfahren ihre Umwelt durch Schwächen wie
Konzentrationsstörung, ADHS, Autismus, Bipolarität, Paranoia etc. in einer ganz
speziellen, ihnen eigenen Art und Weise. Sie nehmen Details intensiver wahr, empfinden
Geräusche als lauter und Farben als kräftiger, sind also ständig abgelenkt. Und
jetzt stellt Euch mal vor, Ihr müsst eine schwierige Aufgabe lösen. Die Musik
ist laut aufgedreht, es riecht nach frisch gekochtem Essen, neben eurem Ohr
surrt eine Fliege, jemand spielt unablässig mit seinem Kuli, das Licht über
Euch flackert und von irgendwoher hört ihr Stimmen von lachenden Kindern. Könntet
ihr Euch konzentrieren? Sicher nicht, und da kann der IQ noch so hoch sein. Ablenkungen,
die wir meist nur für kurze Zeit ertragen müssen, erleben viele dieser Kinder
die ganze Zeit. Und nachdem ich das einmal begriffen hatte, konnte ich ganz
anders auf meine Schüler eingehen. Nachher lief es nicht automatisch besser,
aber ich wurde entspannter, ausgeglichener und verzweifelte weniger schnell.
Jeder Mensch hat eine andere Wahrnehmung, und das gilt für alle von uns. Ich
glaube, wenn man auf andere Menschen eingehen will, muss man das verstanden haben.
Nur weil ich etwas fühle, denke, glaube heißt das nicht, dass es meinem
Gegenüber genauso geht oder gehen muss.
In der Schule wollte ich meine Schüler
bestmöglich unterrichten und das war nicht immer einfach. Es ging nur, wenn ich
mich wirklich mit ihnen auseinander gesetzt und versucht habe, zu verstehen,
was sie denken und wie sie sich fühlen, ohne sie dabei zu verurteilen oder „abzustempeln“.
Ich glaube, das ist etwas, was ich hier fürs Leben gelernt habe.
Jetzt, wo die Schule vorbei ist, arbeite ich
als Betreuerin im Sommercamp von FiSTA. Wir haben ein Sommercamp für die
älteren Jungen in den Bergen und eins für die Mädchen und jüngeren Schüler, das
weiterhin an der Schule stattfindet. Tagsüber gibt es 40 Kinder zu betreuen,
zum Schlafen bleiben nur 8. Ich bin hauptsächlich für die 8 verantwortlich, die
dauerhaft da sind. Fast alle von ihnen kannte ich vorher gar nicht, denn sie
sind extra für das Camp aus Jordanien, Saudi-Arabien oder Kuwait angereist. Und
deshalb haben einige, besonders die Mädchen, gerade ziemlich dolles Heimweh und
finden es hier gar nicht so schön. Das ist nicht ganz einfach, aber Tränen
lassen sich ja trocknen und auch aus Wut kaputt gegangene Stühle kann man
reparieren. Ich glaube, es wird ein schöner Sommer wenn sich erst mal alle
eingelebt haben. Wir haben sogar einen richtig großen und zwei kleine Swimmingpools
mit Liegeweise drum herum aufgebaut, damit ein bisschen Urlaubsgefühl aufkommt.
Und sobald wir den benutzen und nebenbei
noch Musik anmachen, ist jedes Heimweh unter den Schülern vergessen und alle
haben ein Lächeln im Gesicht.
Das einzig Doofe an dem Sommercamp ist, dass
Siham und ich unser altes, chaotisches, gemütliches Zimmer räumen mussten.
Siham muss jetzt als Betreuerin im Camp in den Bergen arbeiten und ich sehe sie
kaum noch. Ich habe dafür ein eigenes Zimmer bekommen. Eigentlich sollte ich
mich voll darüber freuen, aber ohne vor dem Einschlafen mit Siham zu quatschen
und ihr nachts beim Reden im Schlaf zuzuhören, ist irgendwie ganz schön
langweilig und tris. Wir haben ja nun ein Jahr lang alles geteilt,:unser
Zimmer, unser Bad, selbst unsere Kleidung und Schuhe, unsere Freunde. Und da
ich hier keine Gastfamilie oder so hatte, ist Siham meine Schwester geworden,
die ich jetzt ganz schön vermisse. Ich weiß, dass ich mich dran gewöhnen muss,
wenn ich zurück in Deutschland bin ist sie ja auch nicht immer da, um mit mir über
die neusten Ereignisse im Libanon und der arabischen Welt zu diskutieren, zu kochen oder einen –entschuldigt den
Ausdruck- kleinen Tritt in den Hintern zu geben, damit ich endlich aufstehe.
Was den Libanon angeht, naja...die letzte Woche war nicht unbedingt fürderlich für die Situation. In Saida, einer Küstenstadt im Süden von Beirut, haben sunnitische Milizen einen Checkpoint angegriffen. Und die Armee hat im Libanon eine besondere Stellung. Das Volk steht geschlossen hinter der Armee, man respektiert die Soldaten, die Armee wird nicht nur geachtet, sie wird ge- und verehrt. Geht man an einem Soldaten vorbei, ist es zum Beispiel üblich, "Gott segne Dich, mein Volk" oder "Gott segne Deine Arbeit" zu grüßen um dessen Arbeit zu ehren. Wenn genau diese Armee also angegriffen wird, dann birgt das einiges an Konfliktpotential. Noch dazu, wenn mindestens 17 Soldaten bei den folgenden Kämpfen sterben und es über 100 Verletzte gibt. Die sunnitischen Angreifer unterstehen Scheich Assir. Ein sunnitscher Prediger, der besonders im Süden des Landes immer mehr Einfluss gewinnt und durch seine leidenschaftlichen Reden, in denen er regelmäßig gegen den Iran, Syrien und die Hizbollah wettert, als "Hardliner" bekannt geworden ist. Zusätzlich zu den Angriffen auf Checkpoints hat Assir in vielen Teilen des Landes Straßensperren errichten lassen und den Verkehr blockiert und teilweise ganz stillgelegt. Mittlerweile hat die Armee das Gebiet um Saida jedoch wieder unter Kontrolle gebracht und man hört nur noch wenig von dort.
Gestern hat dann noch eine Nachrichtenmeldung für Schock und ungläubiges Kopfschütteln gesorgt. Als einer der Beiruter Busse in der Nähe des Nationalmuseums anhielt, um neue Mitfahrer einsteigen zu lassen, stürmten 4 Männer den Bus und gingen mit Messern auf die Insassen los. Ohne jegliche Vorwarnung, ohne Grund. Mir fällt kein anderes Wort als Wahnsinn dafür ein. Das hat nichts mit Politik oder Religion oder inländischen Spannungen zu tun. Das ist purer Wahnsinn. Viele glauben nicht, dass Libanesen die Täter waren. In dieser eh schon kritischen Zeit liegt keinem Libanesen was daran, die Situation noch mehr zu gefährden. Und erst recht nicht durch so eine grundlose, unerklärlich aggressive Messerstecherei. Dabei wurden einige verletzt, gestorben ist -al hamdulilla- aber niemand.
Und ich muss zugeben, dass ich selbst mittlerweile auch vorsichtiger geworden bin und kaum noch richtig weg gehe. In den meisten Ecken ist es zwar ruhig, aber die Unruhen treten so plötzlich auf, dass ich mich nicht unbedingt dem dummen Zufall ausliefern will.
Aber ich hoffe immer noch, dass die Situation nicht eskaliert und sich wieder beruhigt. Und die Möglichkeit besteht, denn wenn ich den Berichten von einigen Freunden glaube, dann sind die libanesischen Sommer seit 2006 regelmäßig spannungsgeladen.
In dem Sinne sage ich Euch hier mal mit viel Hoffnung und Optimismus "Tschüss"! :)
Gestern hat dann noch eine Nachrichtenmeldung für Schock und ungläubiges Kopfschütteln gesorgt. Als einer der Beiruter Busse in der Nähe des Nationalmuseums anhielt, um neue Mitfahrer einsteigen zu lassen, stürmten 4 Männer den Bus und gingen mit Messern auf die Insassen los. Ohne jegliche Vorwarnung, ohne Grund. Mir fällt kein anderes Wort als Wahnsinn dafür ein. Das hat nichts mit Politik oder Religion oder inländischen Spannungen zu tun. Das ist purer Wahnsinn. Viele glauben nicht, dass Libanesen die Täter waren. In dieser eh schon kritischen Zeit liegt keinem Libanesen was daran, die Situation noch mehr zu gefährden. Und erst recht nicht durch so eine grundlose, unerklärlich aggressive Messerstecherei. Dabei wurden einige verletzt, gestorben ist -al hamdulilla- aber niemand.
Und ich muss zugeben, dass ich selbst mittlerweile auch vorsichtiger geworden bin und kaum noch richtig weg gehe. In den meisten Ecken ist es zwar ruhig, aber die Unruhen treten so plötzlich auf, dass ich mich nicht unbedingt dem dummen Zufall ausliefern will.
Aber ich hoffe immer noch, dass die Situation nicht eskaliert und sich wieder beruhigt. Und die Möglichkeit besteht, denn wenn ich den Berichten von einigen Freunden glaube, dann sind die libanesischen Sommer seit 2006 regelmäßig spannungsgeladen.
In dem Sinne sage ich Euch hier mal mit viel Hoffnung und Optimismus "Tschüss"! :)
Montag, 17. Juni 2013
Veränderungen
Die Zeit rast. Das ist mir in den letzten
Tagen und Wochen erst so richtig bewusst geworden. Noch 1 Woche und das
Schuljahr hier im Libanon geht zu Ende. Bis in einem Monat muss ich mir
überlegen, was ich in den nächsten Jahren mit meinem Leben anfangen will, denn dann ist Bewerbungsschluss für die meisten Unis.
Noch 1 ½ Monate und mein Auslandsjahr ist vorbei. Aber da vor der
Zukunft erst Vergangenheit und Gegenwart kommen, schreibe ich euch jetzt mal von den letzten, sehr geschäftigen Wochen hier im Libanon.
Die Raketenanschläge sind vorbei gegangen,
ohne dass hier der von vielen vorhergesagte Bürgerkrieg ausgebrochen ist. In
der Bekaa-Ebene hat es zwar noch mehrmals Raketen geregnet und auch in Tripoli
wird noch gekämpft, doch in Beirut ist es bis auf eine größere Demonstration
vor der iranischen Botschaft ruhig geblieben. Dass sich die Lage, die nach
außen hin recht ruhig scheint, trotzdem verändert hat, merkt man daran, dass
über unseren Köpfen jetzt öfter mal ein UN-Hubschrauber fliegt und nicht mehr
nur die israelischen Armeeflugzeuge. Oder auch daran, dass wir Freiwilligen
jetzt spätestens abends um 10 Uhr zurück sein müssen, wenn wir irgendwo
unterwegs waren. Und selbst einige von unseren Bekannten bleiben abends jetzt eher zu Hause als noch wegzugehen.
Das Chaos im Land ist (zum Glück!!) vorerst
ausgeblieben, dafür hat es in der Schule umso mehr Einzug gehalten. Letzte
Woche war zum Beispiel Prüfungswoche, in der jede Klasse in sämtlichen Fächern
Abschlussarbeiten geschrieben hat. Nebenbei mussten für jeden Schüler eine
Art Jahresabschlussbericht, ein extra Bericht für die Eltern und dann manchmal
noch einer für die Therapeuten geschrieben werden. Und gerade bereiten wir eine große Schuljahresabschlussfeier vor. Einige Schüler haben auch
noch an den libanesischen Schülerparalympics im Schwimmen teilgenommen und
waren super gut, in der Gesamtbewertung hat unsere Schule Gold erhalten! Außerdem haben wir zusammen mit einer anderen Schule einen Videoclip gedreht, der in ein paar
Medien hier ausgestrahlt werden und das Bewusstsein für seelen-pflegebedürftige
Menschen im Libanon wecken soll. Es ist kaum vorstellbar, aber wahr: Viele
Leute hier können kaum mit körperlich oder geistig beeinträchtigen Menschen
umgehen, da sie noch nie welchen begegnet sind, eine Integration in die
Gesellschaft findet kaum statt. Unsere Direktorin hat uns sogar erzählt, dass
viele Eltern ihre pflegebedürftigen Kinder richtiggehen wegsperren, weil sie
sich schämen und vor dem Urteil der Gesellschaft fürchten. Das ist
nicht nur erschreckend sondern wirklich traurig, denn wer schon mit diesen Menschen
gearbeitet oder gelebt hat, wird bemerkt haben, wie viel Licht und Freude sie
ins Leben bringen.
Über dieses Thema, also Heilpädagogik und die Integration von Seelen-Pflegebedürftigen
in die Gesellschaft, halten wir Freiwilligen nächste
Woche auch einen Vortrag vor dem Lehrerkollegium. Für unsere Arbeit hier war es
wichtig, dass wir uns mit diesem Thema beschäftigen und so haben wir Bücher und
Artikel gelesen, ein paar Vorträge angehört und einmal pro Woche mit unserer
Chefin zusammengesessen und darüber diskutiert. Unsere Erkenntnisse sollen wir
jetzt selbst in einem Vortrag verarbeiten. Aber schon allein das Wort „Vortrag“
klingt irgendwie trocken und zu sehr nach dem üblichen Schulkram, deshalb
wollen wir das Ganze als kleines Theaterstück aufbauen. Ich sag euch dann
nächste Woche, wie es geklappt hat ;)
Und dann gab es noch ein paar große
Veränderungen in unserer Residence. Vor 2 Wochen war ein Feng Shui Trainer an
der Schule und hat festgestellt, dass unser Raumklima ganz schlecht sei, unsere
Einrichtung löse eine ganz unangenehme Atmosphäre aus. Aber zum Glück
hatte er ein paar gute Tipps dabei, um das Problem zu lösen. Die Tipps
wurden dann in Windeseile in einer kleinen, spontanen Chaosaktion am
vorigen und diesem Wochenende umgesetzt. Letzten Freitag kam ich gerade von der
Arbeit, da hieß es: „Räumt ganz schnell euren Schrank aus, der muss umgestellt
werden“. Alle Kleiderschränke standen bis dahin aus Platzgründen immer im Flur vor den Zimmern. Jetzt stehen sie im Salon,
neben dem Fernseher. Wenn ich also duschen oder mich umziehen will, dann lauf
ich erst eine Runde durch den Flur und den Essensraum bis ich im Salon bin, wo
meistens jemand Fernsehen schaut und mir dann zusieht, wie ich aussuche, was ich
als nächstes anziehen will. Aber es wurden nicht nur Schränke umgeräumt. Auch
Tische und Sportgeräte und Essen und und und. Außerdem wurde großer Hausputz
gemacht und jetzt blinkt und glänzt alles hier wie neu.
Als Siham und ich dann gestern Morgen
aufgestanden sind, und uns in unseren Schlafsachen auf den Weg zum
Kleiderschrank machen wollten, wurden wir ziemlich ungewöhnlich begrüßt. Wir mussten
nicht mal unsere Zimmertür aufmachen. Die war nämlich schon auf, ein Maler
stand davor und war dabei, den Türrahmen in einem gute Laune weckendem Lila zu streichen. So wird man ja nicht jeden Morgen geweckt, aber ich kann
euch sagen, so eine Überraschung macht auf einen Schlag hellwach. Und wo die
Maler schon mal dabei waren, hat auch noch das Esszimmer eine neue Farbe
bekommen und strahlt jetzt in einem frischen grün.
Auch wenn ich die Art und Weise der ganzen
Neuerungen in der Residence bisschen ungewöhnlich fand, find ich ehrlich, dass
es hier wohnlicher geworden ist. Alles neu, alles frisch und alles schön. Der
Feng Shui Trainer hatte recht, jetzt bekommt man wirklich gute Laune wenn man durch unsere Residence geht. :)
Euch allen eine gute Woche!
Die Schüler waren unendlich glücklich und stolz auf ihre gewonnen Medaillen beim Schwimmwettkampf! :)
...unsere lila Tür :)
Beirut by Bike - was gibt es Schöneres, als im Sonnenschein am Meer entlang zu radeln?
Sonntag, 9. Juni 2013
Heut mal ein bisschen Musik für Eure Ohren an Stelle vom regulären Text für Eure Augen :)
Bis ich meinen nächsten Blog schreibe, habe ich hier einen kleinen Input für euch. Hört euch das Lied bitte an, es wurde von Herzen getextet! Ein Freund, der seinen Freiwilligendienst gerade in Jordanien macht, hat das gerappt.
Jonny - Lebenszeichen
Meine Lieblingstelle: "Meine neuen Freunde sprengen bald das Weiße Haus. Quatsch- nicht jeder Araber ist Terrorist. Mach mal meine Arbeit, dann weißt du was Terror ist."
Und für alle, die mehr hören möchten, gibt es auch noch ein wirklich schönes Weihnachtslied. Stimmt, die Jahreszeit passt dazu nicht wirklich, aber das Lied ist es wert, gehört zu werden.
Jonny feat. Frido- Zünd ein Licht an
Jonny - Lebenszeichen
Meine Lieblingstelle: "Meine neuen Freunde sprengen bald das Weiße Haus. Quatsch- nicht jeder Araber ist Terrorist. Mach mal meine Arbeit, dann weißt du was Terror ist."
Und für alle, die mehr hören möchten, gibt es auch noch ein wirklich schönes Weihnachtslied. Stimmt, die Jahreszeit passt dazu nicht wirklich, aber das Lied ist es wert, gehört zu werden.
Jonny feat. Frido- Zünd ein Licht an
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